Unterstützung der Bagis bleibt trotz Zusagen weiter aus

Junge Mutter bangt um ihre Prüfung

Bremen. "Wenn das so weiter geht, werde ich auch die Prüfung im Juni nicht schaffen.", so Sükran Varol, alleinerziehende Mutter von zwei Kindern. Seit über einem halben Jahr wartet sie auf finanzielle Unterstützung der "Bremer Arbeitsgemeinschaft für Integration und Soziales" (Bagis), um im Sommer ihre Gesellenprüfung zur Frisörin zu absolvieren. Bis heute hat sie keine der fest zugesagten Leistungen erhalten.

Schon im Dezember letzten Jahres berichtete der BREMER ANZEIGER vom Streit zwischen Varol (25) und der Bagis. Trotz Erfüllung aller Anforderungen sich einen 400-Euro-Job zu suchen und die Prüfungsgebühren vorerst aus eigener Tasche zu bezahlen, blieben die Leistungen aus. Außerdem wurde sie aufgefordert, eine längere Betreuung für ihre Kinder zu gewährleisten, um so schnell wie möglich einer sozialversicherungspflichtigen Arbeit nach zu kommen.

"Mir wurde gesagt, dass es egal sei, ob ich bei Schlecker an der Kasse oder bei Hachez am Fliessband arbeiten würde", so Varol. Auf Anfrage des BREMER ANZEIGER schien sich das Blatt zu wenden: Die Bagis bewilligte der jungen Mutter die finanzielle Unterstützung nicht nur als Darlehen, sondern als einmalige Leistung. Auch ihren Prüfungstermin durfte sie verschieben. Die angehende Frisörin gab daraufhin im Januar 2006 allle erforderlichen Nachweise und eine neue Eingliederungsvereinbarung bei der Bagis ab. Mitte Februar hatte die junge Mutter immer noch keinen Bescheid und wendete sich an ihren neuen Fallmanager. Dieser erklärte, er habe lediglich die Vereinbarung erhalten, von den anderen Papieren fehlt jede Spur. Also mußte die junge Mutter die Belege über Prüfungsgebühr und Materialkosten erneut besorgen.

Mitte März, so die Bagis, sollte Varol in etwa zehn Tagen ihre Leistungen erhalten. Doch nichts geschah. "Ich habe alle Anforderungen der Bagis erfüllt und trotzdem wurde ich immer wieder vertröstet. Ich verstehe nicht, was das alles soll." In ihrer Not wendet sie sich an den BREMER ANZEIGER.

Dazu Bagis-Sprecherin Angela Wessel: "Die Kollegen haben jetzt noch mal richtig Dampf gemacht. Heute wurde eine Zahlbarmachung angewiesen. Das heißt aber nicht, dass das Geld sofort da ist. Das dauert noch eine Zeit." Es hätte noch geprüft werden müssen, so Wessel weiter, ob die angegebenen Materialkosten dem tatsächlichen Bedarf entsprechen würden.

Auf Nachfrage, wie es sein könne, dass wichtige Unterlagen in der Bagis verschwinden und notwendige Zahlungen einfach ausbleiben, ohne dass die betroffene Person informiert wird, sagt Wessel: "Dazu kann ich ihnen nichts sagen. Der Kollege hätte diese feste Zusage einfach nicht geben dürfen."

Sükran Varol hat jetzt nur noch knapp sieben Wochen Zeit, sich neben der Betreuung ihrer beiden Kinder auf die Gesellenprüfung der Frisöre vorzubereiten: "Das ist wirklich sehr knapp", Voraussetzung ist aber, das die Zahlungen der Bagis diesmal auch wirklich eintreffen

von Ragna Herzog

Bremer Anzeiger v. 23.04.2006