Berater der Bremer Agentur für Integration und Soziales (BAgIS) werden immer häufiger Opfer von Wutausbrüchen und Gewalt. Das geht aus Angaben der Geschäftsstellenleiter hervor, nach denen Streitereien zwischen Angestellten und Hartz-IV-Betroffenen im Jahr 2006 öfter eskalierten als noch im Jahr zuvor.
Nach Informationen eines BAgIS-Sprechers erteilte die Agentur im vergangenen Jahr 55 Hausverbote, 45-mal eilte die Polizei zu Hilfe. Ein Jahr zuvor hatte es nur zwölf Hausverbote und 30 Polizeieinsätze gegeben. Etliche Ausraster verschwinden in der Dunkelziffer.
Die Übergriffe reichen von Bedrohung bis hin zu Schlägen. "In einer Geschäftsstelle wurde eine Mitarbeiterin gegen eine Wand gedrückt und dabei ihre Bluse zerrissen", berichtet BAgIS-Sprecherin Angela Wessel. Um ihre Angestellten zu schützen, setzt die Agentur auf Deeskalationstrainings und einen Sicherheitsdienst. Schon vor einem Jahr suchte Wessel nach Gründen für die Wutausbrüche und erklärte: "Häufig ist es nur der Ärger, von einer Behörde abhängig zu sein. Viele wälzen ihren Frust dann auf den Staatsapparat ab." Die BAgIS entstand aus den Hartz-IV-Gesetzen und betreut in Bremen rund 73.000 Menschen.
Weser Report v. 07.01.2007
55 Hausverbote und 45 Polizeieinsätze hat es nach Angaben der BAgIS
im vergangenen Jahr gegeben. Mich wundert, dass es nur so wenige sind.
In meiner beruflichen Tätigkeit musste ich leider feststellen, dass
es fast schon die Ausnahme ist, wenn Ratsuchende zuvorkommend behandelt
werden. Zu einem schlechten Gesetz kommen oft Schikane und Drangsalierungen
durch die BAgIS-Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen. Auch der Ton lässt
oft zu wünschen übrig. Beratungsstellen sprechen deshalb auch
von "Verfolgungsbetreuung". Höchste Zeit, deshalb über
eine menschenwürdige Existenzsicherung nachzudenken, die
Ämterwillkür ausschließt, zum Beispiel Nichtübernahme
von Mieten und Mehrbedarfen, ungerechtfertigte Leistungskürzungen,
Verweigerung von Anliegen und Anträge anzunehmen.
Dorothe Fetzer
28201 Bremen
Wenn ich nicht soviel Selbstbeherrschung hätte, wäre ich
unserer Fallmanagerin auch schon gerne an den Hals gegangen. Und das
liegt nicht an dem Frust, von einer Behörde abhängig zu
sein, sondern an der Arroganz der Fallmanagerin, an dem Ton mit dem
sie einem zu verstehen gibt: Egal was man sagt, das ist sowieso
gelogen. Sie zeigt keinerlei Verständnis für die Situation,
in der man steckt, dass einen gesundheitliche Gründe von vielen
Arbeitsangeboten fernhalten. Wenn andere ALG-II-Bezieher auch solche
Erfahrungen sammeln mussten, kann es schon geschehen, dass einigen die
Sicherung durchbrennt.
Georg Runge
per E-Mail
Weser Report v. 14.01.2007