Studie: In Bremen fehlen 7000 Wohnungen - Nachfrageschwund in Bremerhaven

BREMEN. Der Wohnungsmarkt im kleinsten Bundesland bietet ein uneinheitliches Bild. Während in Bremerhaven weitaus mehr Wohnungsangebot als -nachfrage besteht, stellt sich die Situation in Bremen genau umgekehrt dar. Das geht aus einer aktuellen Studie hervor, die das Hamburger Forschungsinstitut Gewos im Auftrag des Verbands der Wohnungs- und Immobilienwirtschaft Niedersachsen-Bremen (vdw) erarbeitet hat. Die Erhebung versucht nicht nur den aktuellen Stand abzubilden, sondern die Marktentwicklung für die kommenden 15 Jahre zu prognostizieren.

Demnach ist der Wohnnungsmarkt in Bremen momentan leicht angespannt. Bis zum Jahr 2025 werde sich die Situation jedoch deutlich verschärfen. Während heute bereits 7000 Wohnungen fehlen, kann sich diese Zahl laut Gewos in den kommenden 15 Jahren mehr als verdoppeln, falls nicht entsprechend gegengesteuert wird.

Dass die Nachfrage trotz sinkender Bevölkerungszahl steigt, liegt der Studie zufolge vor allem an gesellschaftlichen Veränderungen. "Die Haushalte werden kleiner", sagt der vdw-Direktor und frühere Bremer Bausenator Bernd Meyer. Entsprechend lege die Nachfrage gerade im Bereich von Ein- bis Zweizimmerwohnungen zu. "Bereits jetzt zeigen sich in fast allen Lagen Defizite im Segment der kleinen, preisgüstigen Wohnungen", warnt Meyer. Die steigende Zahl älterer Menschen verstärke diese Entwicklung ebenso wie die zubehmende Anzahl jener Bremerinnen und Bremer, die sich in unsicheren Arbeitsverhältnissen befänden oder auf Transferleistungen angewiesen seien. Nicht zuletzt erhöhten auch die gestiegenen Energiepreise die Nachfrage nach kleinen Wohnungen.

Die Hohe Nachfrage auf dem Bremer Wohnungmarkt bildet in Norddeutschland keine Ausnahme. Großstädte sind laut der Studie als Wohnort grundsätzlich wieder gefragter als ländliche Regionen. Die Tendenz, dass es junge Familien ins Eigenheim an den Stadtrand zieht, schwäche sich mehr und mehr ab. Umgekehrt kehrten immer mehr ältere Menschen wieder ins urbane Leben zurück, nachdem die Kinder aus dem Haus sind.

Auch Bremerhaven profitiert von dieser Entwicklung, wenn auch in weitaus geringerem Maße als die Schwesterstadt. In früheren Gewos-Studien ist dem Wohnungsmarkt der Seestadt ein Leerstand von bis zu 15 Prozent vorausgesagt worden. Mittlerweile ist diese Prognose deutlich nach unten korrigiert worden. "Wir merken, dass man in Bremerhaven Gegenmaßnahmen ergriffen hat, diese Arbeit macht sich bezahlt.", sagt Bernd Meyer. Dennoch werde der Angebotsüberhang in der Seestadt weiter wachsen - wenn auch langsamer als einst angenommen.

Um den drohenden Engpässen auf dem stadtbremischen Wohnungsmarkt sinnvoll zu begegnen, empfiehlt der vdw unter anderem, in den Neubau kleinerer Wohnungen zu investieren. Doch auch die Anpassung bereits vorhandenen Wohnraums an die veränderten Bedürfnisse könne Abhilfe schaffen. "Das ist eine Herausforderung, die innerhalb der gebauten Stadt gelöst werden muss.", sagt Bernd Meyer. So können etwa die Grundrisse von Wohnungen verändert und angesichts der demografischen Entwicklung deutlich mehr Wert auf Barrierefreiheit gelegt werden. "Es ist auch ein wirtschaftliches Interesse, die Menschen möglichst lange in den Wohnungen zu halten", sagt der vdw-Präsident.

Er kritisiert, dass in Bremen zwar massiv in Wohnraum investiert werde, die Projekte aber meist nur auf die Bedürfnisse wohlhabender Mieter oder Käufer zugeschnitten seien. Es müssten jedoch auch Wohnungen entstehen, die sich Normalverdiener leisten könnten. Um diese Entwicklung zu fördern, schlägt Meyer vor, die Bremer Aufbaubank (BAB) gezielt zur Förderung entsprechenden Wohnungsbaus heranzuziehen. Die BAB sei in der Lage, günstige Darlehen anzubieten, und könne auf diese Weise zu einer Belebung in den entsprechenden Segmenten sorgen.

Weser-Kurier vom 06.04.2011